ANREISE Thu 17 Aug
ABREISE Fri 18 Aug

Crêpe à la Louis!

Aufgeregt rennt Amanda durch den Frühstücksraum, und pickt Brotkrumen auf dem Wege zu unserer kleinen Küche weg. „Was ist denn hier los?“, fragt die Direktorin mit strengem Blick, denn vor lauter Gewusel und Gerenne verliert Amanda lauter kleine gelbe Federn, die den Teppich bedecken, wo eben nur kaum sichtbare Krümel waren.

„Louis kommt doch zu Besuch, und ich will ihm doch unsere Küche zeigen, und unser wundervolles Hotel,“ schnattert Amanda aufgeregt, während sie hektisch mit ihrem Schnabel auf ihrem Enten-Ei Phone ein Photo sucht. „Hier, das sind Louis und ich im Wonnemonat Mai an der Côte d’Azur, das hatte ich Ihnen doch erzählt.“ Langsam erinnert sie sich, wie Amanda von ihrem Bistro-Besuch im letzten Urlaub erzählte. Gerade als sie von der Speisekarte aufblickte, sah sie einen Koch mit zwei wundervoll grüne Augen, so wundervoll, wie die schönste Entengrütze.

Amanda wurde ganz heiß und doch verlegen zugleich. Vor lauter Aufregung quakte sie: „Ist das ein Crêpe auf Deinem Kopf?“, vermutlich, weil sie einen Crêpe essen wollte. „Non, non madame,“ sagte der Koch, „das ischt meine Kochmützen.“ Amanda wurde ganz rot vor Scham, da mußte er lachen. Jetzt sah sie aus wie eine Blutorange, dachte er, außen rot und innen gelb, wo sie doch so bezaubernd aussieht. Köche denken wohl immer in Lebensmitteln. „Isch bringe Ihnen einen Crêpe als Gabe des Hauses“, sagte er lächeln, „dann sehen – und schmecken! – Sie den Unterschied! Nirgendwo gibt es einen zweiten Crêpe à la Louis!“ Er verschwand in der Küche, und Amanda sah ihm verträumt hinterher.

Für den Rest des Urlaubs kam Amanda jeden Tag, und schnell wurden aus den Enten Turteltauben. Als Amanda wieder heim mußte, lud sie Louis ein, denn er sollte auch ihre Welt kennenlernen. „Très bien,“ flüsterte er, und Amanda seufzte vor Glück, daß er gleich dreimal kommen wollte. Das erste Mal stand kurz bevor, was die beiden wohl in München erleben werden, fragte sich die Direktorin? What’s next, Amanda…?

 

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